Die Initiative
Es begann mit einer Bildungsreform und deren katastrophalen Folgen: Mitbestimmungsrechte wurden beschnitten, exzellente Lehrende verscheucht – zum Schluss wurde aus einer europäischen Spitzenuniversität eine Hochschule von allenfalls lokaler Bedeutung … Es geht hier nicht um den Bologna-Prozess unserer Tage, sondern um die Ereignisse, die im Jahr 1409 zur Gründung der Universität Leipzig geführt haben.
Geschichte wiederholt sich nie, aber sie wandelt gern auf ähnlichen Pfaden. Die 600 Jahre Geschichte sollen gefeiert werden, eine Geschäftsstelle wurde gegründet, die Vorbereitungen laufen – an den Studierenden vorbei, der größten und innovativsten Mitgliedergruppe der Universität überhaupt.
Die Gestaltung der Zukunft kommt aber ohne den Blick in die Vergangenheit und auf die Entwicklung der Gegenwart nicht aus. 600 Jahre Universitätsgeschichte, die immer auch ein Spiegel der allgemeinen Geschichte gewesen sind, bieten vielfältigen Anlass zur kritischen Reflexion. Die Sechshundertjahrfeier 2009 ist eine Gelegenheit ersten, ja außerordentlichen Ranges, über Wissenschaft und Bildung, ihren Wert, ihren Nutzen und ihre Kosten für den Einzelnen und für die Gesellschaft nachzudenken: eine höhere Sensibilität für die damit zusammenhängenden Fragen in einer breiten Ö̈ffentlichkeit ist zu kaum einem anderen Zeitpunkt vorstellbar.
Die Studierendenschaft der Alma mater lipsiensis sollte das öffentliche Forum des Jubiläumsjahrs nicht arrivierten Professoren, voreingenommenen Bildungspolitikern und verträumten Nostalgikern überlassen; die Studierendenschaft sollte das Jubiläum als Chance begreifen, sich selbst und ihre Ideen, Vorstellungen und Sichtweisen zur Bildungs- und Hochschulpolitik, ja zur Politik und den Weltläuften darzustellen und zu erläutern – für die gesamte Universität und darüber hinaus eindringlich für die Ö̈ffentlichkeit.
Das prominente Datum des sechshundertjährigen Gründungsjubiläums der Universität dürfen wir nicht ungenutzt verstreichen lassen – niemand lädt uns ein, wir müssen uns selbst in Szene setzen:
Seid laut, seid schrill, seid bunt, seid kühn, seid anders – 2009 ist das Jahr dazu.


