Volles Haus beim Start des studentischen Kollegs „Science: Who cares?“
Das erste studentische Projekt des Jubiläumsjahres der Universität Leipzig ist erfolgreich gestartet. In der voll besetzten Ratstonne der Moritzbastei eröffneten ca. 80 Gäste und Teilnehmer gemeinsam das in dieser Form einmalige Kolleg „Science: Who cares?“.
In seiner Begrüßung erläuterte Projektleiter Sven Jaros die Entwicklung und Anlage des Kollegs und dankte allen Beteiligten, vor allem aber dem Organisationsteam, für ihr herausragendes Engagement. Auf den wiederholt geäußerten Vorwurf, die Fragestellung des Kollegs sei zu breit und unkonkret, konterte Jaros: „Natürlich war sie das. Bis heute fehlten ja auch noch die Menschen, die dieses Projekt Wirklichkeit werden lassen sollten!“ Mit dem Start hätten die Teilnehmer nun die Möglichkeit, sich in einem freien und offenen Raum gleichberechtigt über die Frage nach dem Wert und Sinn von Wissenschaft auszutauschen. „Damit kommen wir dem, was Universität eigentlich sein sollte, sehr nah.“, stellte Jaros fest.
Prof. Dr. iur. Franz Häuser, Rektor der Universität Leipzig, dankte den Teilnehmer für ihre Ideen und ihre Teilnahme. Denn lange Zeit habe es so ausgesehen, als würde das Jubiläum der Universität nur als Veranstaltung der Universitätsleitung gesehen. Aus den Fakultäten, den Instituten und vor allem von den Studierenden – der größten Gruppe der Universität – sei lange Zeit keine Rückmeldung gekommen. Erst mit der Initiative „Studierende 2009 e.V.“ sei das Jubiläum von den Lernenden aufgegriffen und befördert worden. Dadurch würden die Vielfalt und die Kontraste in der Universität erst deutlich und der Öffentlichkeit ein adäquates Bild der Universität vermittelt.
In Vertretung des Schirmherren Prof. Dr. Volker ter Meulen, Präsident der Nationalen Akademie Leopoldina, begrüßte Prof. Dr. Gunnar Berg, Mitglied des Präsidium der Leopoldina, die Teilnehmer und wünschte für die Arbeit viel Erfolg. Die Akademie habe aus zwei Gründen großes Interesse an diesem Kolleg: Zum einen bemühe sie sich selbst, Wissenschaft in die Öffentlichkeit, in die Gesellschaft zu tragen. Zum anderen, so Berg, „entspricht dieses Kolleg dem, was Universität ist: Forschendes Lernen!“.
In der Einleitung zu seinem Festvortrag versprach Prof. Dr. em. Klaus Ahlheim, früherer Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Gesamthochschule Essen, den von Rektor Häuser erwähnten Kontrasten einige hinzuzufügen. Er nahm die aktuelle Studienreform und insbesondere den Rücktritt des Mainzer Theologie-Professors Marius Reiser zum Anlass, um darüber zu reflektieren, was das Leitbild und die gesellschaftliche Verantwortung von heutiger Wissenschaft sein sollte. Der allgemein gängigen Verklärung des Humboldt’schen Bildungs- und Universitätsideals erteilte er dabei eine klare Absage. Wer von 200 Jahren glücklicher Universitätsgeschichte spräche, vergesse die dunklen Jahre der NS-Zeit. Doch Ahlheim kritisierte auch die aktuelle Reform mit deutlichen Worten: „Die Bologna-Reform ist grundsätzlich und vollständig gescheitert: Es wurde auf Ausbildung gesetzt und Bildung abgeschafft.“ Allerdings sei der größte Fehler dafür bei seinem eigenen Berufsstand zu suchen, der zu Widerstand gegen Politik und Wirtschaft nicht in der Lage sei.
Für die Zukunft forderte Ahlheim von der Universität und ihren Angehörigen eine kritische Wissenschaft. Dafür seien zwei zentrale Grundsätze notwendig. „Zum einen braucht Ausbildung Bildung, sonst verkommt sie zu Ideologie.“ Zum zweiten sei politische Bildung notwendig, um zu Politik selbstbewusst Distanz wahren zu können. Als Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Wissenschaft selbst zitierte der emeritierte Professor aus Bertolt Brechts Galilei: „Ich halte dafür, dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Mühseligkeit der menschlichen Existenz zu erleichtern.“ Für Ahlheim ist dies in der aktuellen Situation eine Leitlinie: „Das könnte die Überschrift für die Universität der Zukunft sein.“
Umrahmt wurde die Veranstaltung von der Dresdner Band „Stilbruch“, die mit ihrem dynamischen Auftritt musikalisch dem entsprach, was das Kolleg in den kommenden Monaten geistig leisten will.
Für Rückfragen und weitere Informationen steht Ihnen der Projektleiter Sven Jaros (sjaros[at]uni-leipzig.de, science[at]studierende2009.de) gern zur Verfügung.
Für weitere Informationen und Medien (in Kürze): www.science.studierende2009.de
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